Schlagwort-Archive: Dagmara Kraus

4. Immigration und Sprache | 01.12.2016

Kommt vorbei und feiert mit uns den Abschluß dieser schönen Reihe!

(Fremdsprachen | Fachsprachen | „Speck der Mundart“)

In einer Welt, in der Migrationshintergründe, Flüchtlingskrisen und Globalisierungseffekte feste Bestandteile des Alltags sind, verschwimmen auch die Sprachgrenzen. Wir bewegen uns im Spannungsfeld von Nationalität, Identität und sozialen Interessen: Was ist noch Muttersprache, was ist das Eigene, das Adaptierte und welches Verhältnis zur Literatur baut sich in multilingualen Sprachumgebungen auf, in denen alle mit allen vernetzt sind? Wie gelingt uns die Übersetzung kultureller Differenzen und Artikulationsweisen diesseits und jenseits abendländischen Homogenitätsdenkens? Wie stellen sich im Netz Fragen der Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit und mit welchen Akzentverschiebungen? Welche Rolle spielen die Sprachen dabei? Der Philosoph Johann Georg Hamann sprach einmal vom „Speck der Mundart“ und meinte damit vornehmlich: Poesie, poetische Randlagen. Was bedeutet es, in verschiedenen Sprachräumen aufgewachsen zu sein, welche Problemstellungen und Verhandlungsprozesse ergeben sich daraus, welche kulturellen Hybridisierungsformen?

Teilnehmerinnen:
Ann Cotten, Dagmara Kraus, Adrijana Bohocki (Moderation)
Datum: Donnerstag, 01. Dezember 2016
Zeit: 20 Uhr
Ort: Bassy Club (Lounge)
Schönhauser Allee 176 a | 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
Eintritt: 3 € / 5 €

Die in Iowa geborene und in Wien aufgewachsene Ann Cotten (*1982) debütierte mit einem Band, der aus Fremdwörterbuchsonetten bestand. Seitdem arbeitet sie immer wieder auf ungewöhnliche Weise mit alten Formen und Traditionen, zuletzt in ihrem Versepos „Verbannt“. Sie ist Teil der berüchtigten Rottenkinckschow und lehrt in der vienna poetry school die Ent- und Verschlüsselung von Codes in ihrer Eigenschaft als Komprimierungen von Weltanschauung, Repräsentation und Identitätsentwürfen, um Möglichkeiten zu finden, auf diese unfug-orientiert einzuwirken.
Die Lyrikerin Dagmara Kraus (* 1981) stammt aus Polen und pendelt zwischen Deutschland und Frankreich. Ihre Poesie schafft Fach- und im wörtlichen Sinne Fremdsprachen, die überraschen und der Sprache völlig ungeahnte Möglichkeiten abringen. In ihrem letzten Band hat sie ein polyglottes Verzeichnis von Klagelauten angelegt und dabei sprachübergreifend mit semantischen Veränderungen experimentiert.
Die Moderatorin, Literaturaktivistin und ehemalige lauter-niemand-Mitherausgeberin Adrijana Bohocki (* 1969) stammt aus der Vojvodina und wuchs in Westdeutschland auf. In Ost Berlin lebt sie seit 1993 und ist seitdem in der Freien Literaturszene auf vielfältige Weise aktiv. Sie debütierte mit Erzählungen, die ihren Geburtsort thematisieren.

Alle Veranstaltungen werden mitgeschnitten und auf litradio dokumentiert.

Mit freundlicher Unterstützung:

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1. Stadt als Einflusssphäre | 18.08.2016

parlandopark_plakat

Unter dem Motto Literatur unter Einfluss – Schreiben unter Druck startet der Berliner Parlandopark 2016 eine neue Reihe von vier Gesprächslesungen, die um ausgewählte gesellschaftliche Veränderungskomplexe kreisen, von denen wir alle betroffen sind.
Anhand von vier Themenschwerpunkten werden die massiven Auswirkungen auf Leben und Schreiben von AutorInnen diskutiert und Fragen gestellt, wie Literatur mit Druck von außen umgeht, wie sie auf veränderte Rahmenbedingungen und Einflusssphären reagiert und welche neuen Formen der Einmischung entwickelt werden können.
Eingeladen werden Persönlichkeiten aus vier Generationen, die der freien Literaturszene Berlins nicht nur als herausragende AutorInnen, sondern auch als KritikerInnen, TheoretikerInnen, AktivistInnen und Provokateure ihren Stempel aufgedrückt haben.
Zu diesem Anlass öffnet sich im Prenzlauer Berg die Tür des Bassy Clubs, mit Aussicht auf herrliches Unwetter.

UNSERE GESPRÄCHSLESUNGEN 2016

1. Stadt als Einflusssphäre
(Gentrifizierung in Berlin | Menschen in der Großstadt | Milieus)

Im Bann von Gentrifizierungsprozessen erleben BerlinerInnen ihre städtischen Milieus zunehmend unter dem Druck von Umwälzungen, die geprägt sind von schwindenden Rückzugsräumen und einer Verödung urbaner Vielfältigkeit. Wie aber wirkt sich ein permanenter Veränderungsdruck auf das Schreiben aus, auf Arbeitsbedingungen von LiteratInnen? Wie verquickt sind Kapitalströme und Inspiration? Inwieweit werden Schreibprozesse durch wirtschaftlichen Anpassungsdruck kontaminiert?

TeilnehmerInnen:
Tanja Dückers, Asmus Trautsch, Hendrik Jackson (Moderation)
Datum: Donnerstag, 18. August 2016
Zeit: 20 Uhr
Ort: Bassy Club (Lounge)
Schönhauser Allee 176 a | 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
Eintritt: 3 € / 5 €

Die Schriftstellerin Tanja Dückers (* 1968) hat nicht nur zahlreiche Romane und Erzählbände verfasst, sondern sich auch seit je her zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen zu Wort gemeldet, beispielsweise als Essayistin oder Kolumnistin der ZEIT. Außerdem engagiert sie sich zivilgesellschaftlich in Projekten, die u.a. Berliner Obdachlose unterstützen.
Der Lyriker Asmus Trautsch (* 1976) gehört zu einem der agilsten und vielseitigsten Literaturaktivisten in Berlin. Er arbeitet als Co-Verleger, Lektor und Herausgeber, ist Mitinitiator des Komponistennetzwerkes Klangnetz, organisiert Lesungen, Konzerte, Konferenzen und interkulturelle Austauschprojekte.
Auch der Lyriker, Übersetzer und Essayist Hendrik Jackson (* 1971) folgt den Dunkelströmen Berlins und ist unentwegt auf der Suche nach der ultimativen Liaison für ahnungsvolle Umtriebe und – 17 Jackson Fans can´t be wrong – immer noch im Lichte der Prophezeiungen. Außerdem gehört die Online-Plattform lyrikkritik.de zu seinen Schöpfungen.
Alle drei TeilnehmerInnen haben Gentrifizierung am eigenen Leib erfahren und können fokussiert über ihre eigenen Krisengeschichten und das Narrativ neoliberaler Wandlungsprozesse in  Szenebezirken berichten.

2. Staat und Literatur
(Reglementierung und Freiheit | Überwachung und Knete | Leben jenseits des
Staates)

Wir bewegen uns im Kontext staatlicher, aber auch privater Überwachungsmaschinerien, die permanent informationelle Macht über uns erzeugen und Bewegungsprofile anlegen. Wir erleben den Verlust persönlicher Wirkungskraft und begreifen uns zusehends als Objekt staatlicher Instrumentalisierung und deren Steuerungsmodelle, fühlen uns gegängelt durch Nudging, Verhaltensökonomie, Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und andere smarte Macht- und Regulierungstechnologien. Wäre Anarchie eine Befreiung zur Mündigkeit, die den selbstverantwortlichen Menschen überhaupt erst ermöglichen würde? Und wie leben und schreiben wir bis dahin, angesichts zivilisatorischer und aufklärerischer Rückschritte in der Gesellschaft?

Teilnehmer:
Bert Papenfuß, Stefan Blankertz, Hendrik Jackson (Moderation)
Datum: Donnerstag, 8. September 2016
Zeit: 20 Uhr
Ort: Bassy Club (Lounge)
Schönhauser Allee 176 a | 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
Eintritt: 3 € / 5 €

Bert Papenfuß (* 1956) ist eine alte Prenzlauer Berg-Größe und aktiv als Lyriker, Aktivist und Betreiber von Kulturspelunken wie dem Torpedokäfer oder Rumbalotte continua. Sein Schreiben war schon immer explizit politisch. Er versteht Literatur auch als Ausdrucksform radikaler Gegenentwürfe und Denkweisen, als Rebellion und Fundamentalkritik.
Stefan Blankertz (* 1956) entwickelt seit Jahren unkonventionelle Ideen und subversive Gegendiskurse gegen „das kälteste aller Ungeheuer“, den Staat. Seine Prämisse: der Klassenkampf ist nicht vorbei. Er streitet für gesellschaftliche Strukturen, die sich nicht gegen die menschliche Natur richten. Auch als Redaktionsbeirat der Zeitschrift eigentümlich frei wendet er sich gegen staatlichen Interventionismus.

 3. Atmosphären
(Flüchtiges | Stimmungen | Anthropozän)

Ist die Gerinnung einer flüchtigen Atmosphäre, von Stimmungen und Stimmungsvielfalt zu textlichen Anordungen nicht immer auch ein Verlust? Inwiefern geht dabei immer ein Stück Unschuld verloren, während Klarheit und Erkenntnis gewonnen wird? Zugleich unterliegt die Erde und die Erdatmosphäre im Zeitalter des Anthropozäns massiven Veränderungen. Grundfragen im Spannungsverhältnis von Ökologie und Humanität sind tangiert, was Humanität in Zeiten von Klimawandel, Landnutzungsänderungen und Verlust von Biodiversität anrichtet. Welche Auswirkungen hat dies auf das Projekt der Moderne, auf die Sprachenvielfalt (34 % der Sprachen gelten als bedroht oder sterbend), auf sprachliche Ausdrucksformen. Wie wirkt sich dies auf unsere Lebensgestaltung aus, auf unsere Narrative und Schreibmaximen?

TeilnehmerInnen:
Daniel Falb, Elke Erb , Steffen Popp (Moderation)
Datum: Donnerstag, 17. November 2016
Zeit: 20 Uhr
Ort: Bassy Club (Lounge)
Schönhauser Allee 176 a | 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
Eintritt: 3 € / 5 €

Elke Erb (* 1938) reflektiert als Lyrikerin, Lektorin und Übersetzerin wie kaum eine andere „die Inschriften unter der Haut“, die Sprache der Wahrnehmung. Ihre blitzartig sich verästelnden Gedankengänge und gegen sich selbst gewendeten Anmerkungen zu Beobachtungen weisen in einer besonderen Art der geistigen Exaktheit Verlaufsspuren ungeahnter Einflüsse nach – „bis ins Vormenschliche, Tierliche, Pflanzliche, Erdzeitliche“ – oder wie der Titel einer ihrer Gedichte lautet: „Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen.“
Daniel Falb (* 1977) fordert seit längerem im Angesicht eines neuen geologischen Zeitalters, des Anthropozäns, eine neue Literatur, eine Terrapoesie, die sich explizit auch mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit Entgrenzungsdiskursen auseinandersetzt. Seine extraterrestrische Perspektive auf die Erde stellt die Frage nach Atmo- und Anthroposphären ganz anders, nicht zuletzt, inwieweit der Mensch selbst Teil einer von ihm in Gang gesetzten sechsten Welle des Massenaussterbens sein wird.
Ob sich der Lyriker Steffen Popp (* 1978) in den „Hohlraum der Zeiten“ vorwagt, einem „elefantischen Pan im Porzellantrakt der Musen“ huldigt oder über die „Missgunst der Kontinente“ klagt – immer sind Einfallsreichtum und Überfallpotential der Gedichte Steffen Popps sprichwörtlich. Heißt es in der Laudatio an den Peter-Huchel-Preisträger. Nur was wir in poetische Praxis umsetzen, kann, laut Steffen Popp, guten Gewissens als ‚anthropologisch gemeistert‘ gelten.

 4. Immigration und Sprache
(Fremdsprachen | Fachsprachen | „Speck der Mundart“)

In einer Welt, in der Migrationshintergründe, Flüchtlingskrisen und Globalisierungseffekte feste Bestandteile des Alltags sind, verschwimmen auch die Sprachgrenzen. Wir bewegen uns im Spannungsfeld von Nationalität, Identität und sozialen Interessen: Was ist noch Muttersprache, was ist das Eigene, das Adaptierte und welches Verhältnis zur Literatur baut sich in multilingualen Sprachumgebungen auf, in denen alle mit allen vernetzt sind? Wie gelingt uns die Übersetzung kultureller Differenzen und Artikulationsweisen diesseits und jenseits abendländischen Homogenitätsdenkens? Wie stellen sich im Netz Fragen der Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit und mit welchen Akzentverschiebungen? Welche Rolle spielen die Sprachen dabei? Der Philosoph Johann Georg Hamann sprach einmal vom „Speck der Mundart“ und meinte damit vornehmlich: Poesie, poetische Randlagen. Was bedeutet es, in verschiedenen Sprachräumen aufgewachsen zu sein, welche Problemstellungen und Verhandlungsprozesse ergeben sich daraus, welche kulturellen Hybridisierungsformen?

Teilnehmerinnen:
Ann Cotten, Dagmara Kraus, Adrijana Bohocki (Moderation)
Datum: Donnerstag, 01. Dezember 2016
Zeit: 20 Uhr
Ort: Bassy Club (Lounge)
Schönhauser Allee 176 a | 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
Eintritt: 3 € / 5 €

Die in Iowa geborene und in Wien aufgewachsene Ann Cotten (*1982) debütierte mit einem Band, der aus Fremdwörterbuchsonetten bestand. Seitdem arbeitet sie immer wieder auf ungewöhnliche Weise mit alten Formen und Traditionen, zuletzt in ihrem Versepos „Verbannt“. Sie ist Teil der berüchtigten Rottenkinckschow und lehrt in der vienna poetry school die Ent- und Verschlüsselung von Codes in ihrer Eigenschaft als Komprimierungen von Weltanschauung, Repräsentation und Identitätsentwürfen, um Möglichkeiten zu finden, auf diese unfug-orientiert einzuwirken.
Die Lyrikerin Dagmara Kraus (* 1981) stammt aus Polen und pendelt zwischen Deutschland und Frankreich. Ihre Poesie schafft Fach- und im wörtlichen Sinne Fremdsprachen, die überraschen und der Sprache völlig ungeahnte Möglichkeiten abringen. In ihrem letzten Band hat sie ein polyglottes Verzeichnis von Klagelauten angelegt und dabei sprachübergreifend mit semantischen Veränderungen experimentiert.
Die Moderatorin, Literaturaktivistin und ehemalige lauter-niemand-Mitherausgeberin Adrijana Bohocki (* 1969) stammt aus der Vojvodina und wuchs in Westdeutschland auf. In Ost Berlin lebt sie seit 1993 und ist seitdem in der Freien Literaturszene auf vielfältige Weise aktiv. Sie debütierte mit Erzählungen, die ihren Geburtsort thematisieren.

Alle Veranstaltungen werden mitgeschnitten und auf litradio dokumentiert.

Mit freundlicher Unterstützung:
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Termine 2016

Die Termine stehen. Unsere 4 Abende werden stattfinden in der Bassy Lounge,
geöffnet jeweils ab 19:30 Uhr. Start um 20 Uhr.

1. Stadt als Einflusssphäre
(Gentrifizierung in Berlin / Menschen in der Großstadt / Milieus)
Tanja Dückers, Asmus Trautsch, Hendrik Jackson
Donnerstag, 18. August 2016

2. Staat und Literatur
(Reglementierung und Freiheit / Überwachung und Knete / Leben jenseits des
Staates)
Bert Papenfuß, Stefan Blankertz, Hendrik Jackson
Donnerstag, 8. September 2016

3. Atmosphären
(Flüchtiges / Stimmungen / Anthropozän)
Daniel Falb, Elke Erb , Steffen Popp
Donnerstag, 17. November 2016

4. Immigration und Sprache
(Fremdsprachen / Fachsprachen / „Speck der Mundart“)
Ann Cotten, Dagmara Kraus, Adrijana Bohocki
Donnerstag, 1. Dezember 2016

Bassy Lounge
Schönhauser Allee 176 a / 10119 Berlin
U2 Senefelder Platz
19:30 Uhr Einlass / Start 20 Uhr
Eintritt: 3 € / 5 €

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