20.02.11 // Büro für Kritik

Elementare Dinge

Zwei außergewöhnliche Dichter im Gespräch:
Dmitry Golynko (St.Petersburg) und Serhiy Zhadan (Charkiw) lesen Prosa und Lyrik.

Danach: offene Runde.

Sergey Zhadan ist in der Ukraine ein Star der Literaturszene, Golynko der intellektuell-politischste Lyriker unter den Russen. Beide leben nun Tür an Tür in Berlin, eingeladen vom DAAD. Wir reden über „Elementare Dinge“ (so heisst ein Gedicht Golynkos), über die ihnen irrtümlich zugeschriebenen Hauptstädte Moskau und Kiew, über die Februarrevolution. Danach: offene Runde mit Wodka und Pelzmütze

Moderation: Hendrik Jackson

Sonntag, den 20. Februar 2011

Soupanova
Stargarder Straße 24
zwischen S- und U-Bahn Schönhauser Allee und S-Bahn Prenzlauer Allee
Ab 20 Uhr

Eintritt frei!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Parlandoparksonntag

3 Antworten zu “20.02.11 // Büro für Kritik

  1. Alexander Filyuta

    Serhiy Zhadan

    Big Gangsta Party

    Charkiw, 1994. Eine angespannte
    kriminogene Situation. In der Stadt ist
    eine Bande am Werk, die Wechselstuben plattmacht,
    der staatliche Radiosender nennt sie „Gruppe der dreisten Gesellen“;
    und diese Gruppe der dreisten Gesellen
    spähte lange die Firmenwechselstube im Zentrum aus,
    spähte und spähte und hatte schließlich erspäht,
    dass in der Wechselstube
    gerade einige Säcke Knete lagen,
    Segeltuchsäcke voller Knete,
    die bis morgen keiner abholen würde.
    Da zogen sie sich schick an
    und fuhren los, um die
    Wechselstube plattzumachen.

    Die Wechselstube ist direkt
    im Zentrum; sie lassen noch eine mit Menschen
    vollgestopfte Straßenbahn durch, und dann erst fahren sie los, um
    ihre
    Wechselstube
    plattzumachen.

    Dort werden sie nicht gerade freudig empfangen,
    zumal sie nach und nach
    die Säcke mit dem Geld fortschaffen.

    Und du gehst durch die Stadt, auf der sonnigen Straßenseite,
    und alles ist mies – kein Geld, keine Arbeit, keine Perspektiven,
    und da kommen plötzlich aus der Wechselstube
    die Gesellen in ihren schicken Trainingsanzügen und rennen
    zu ihrem BeeMWe wie Biathleten, die alle anderen
    Anwärter auf die Großkundenknete hoffnungslos abgehängt haben.

    Aber was kann man schon `94 in Charkiw mit einem
    Sack voll Knete anfangen? Man kann ihn in der Firmenwechselstube abgeben.
    Aber dort haben sie schon alle erschossen. Also
    schneiden sie die Straßenbahn
    und sind auf und davon.

    Ein paar Straßen weiter
    gibt es eine ruhige Kokain-Kneipe,
    die Eliteklub „Carambolage“ heißt.
    Sie fahren dorthin und bezahlen mit dem
    Geld, auf dem das Blut der Geldeintreiber noch nicht getrocknet ist.

    Was weiter, man bringt ihnen einen Eimer Kokain,
    und während sie sich darüber beugen wie Infanteristen über
    eine Landmine, haben die Jungs von der Verbrechensbekämpfung über ihre Kanäle
    den BMW gestellt
    und stürmen den Eliteklub „Carambolage“.

    Und du gehst so,
    siehst,
    wie die Seelen
    der Geldeintreiber
    sich über die Straßenbahnseile emporschwingen, und du willst nichts weiter
    als einen normaler Fick, einmal wenigstens, einmal im Leben,
    zum Teufel mit ihnen – den sozialen Sicherheiten,
    zum Teufel mit ihr – der Arbeit,
    einmal wenigstens, ganz gleich mit wem!
    Und da werden dir plötzlich
    die Körper der jungen Biathleten vor die Füße geworfen,
    jeder mit einem Adidas-Label auf der Brust
    wie ein durchschossenes Herz, als wären diese Biathleten
    ins Kreuzfeuer ihrer Ersatzmannschaft geraten.

    Die unsichtbaren und unerfindlichen
    Stimmen von dir und mir schwingen sich ins All.
    Wie viele schwache, süße Hinweise
    haben uns die Geister der Liebe vermacht.
    Besser ein heldenhafter Tod als ein kaltes Alter.
    Schlaf in Ruhe, mein Kampfgefährte,
    ich trage deine Nike ab,
    ich zahle die Schulden zurück,
    ich werde deine Posaune benutzen,
    um auf das Klingeln zu antworten,
    und wenn deine Eltern dran sind,
    sage ich, du seiest kurz hinausgegangen,
    kämst aber gleich zurück,
    und dann werden sie alles bezahlen.

    Big Gangsta Party

    Харьков, 94-й год. Напряжённая
    криминогенная ситуация. В городе действует
    преступная группировка, которая бомбит обменники,
    на государственном радио их называют «группой дерзких молодчиков»;
    и вот эта группа дерзких молодчиков
    долго пасёт оптовый обменник в центре,
    пасёт-пасёт и, наконец, выясняет,
    что в обменнике
    сейчас лежит несколько мешков бабла –
    брезентовые мешки с баблом,
    которые до завтра никто не будет вывозить.
    Тогда они празднично одеваются
    и идут бомбить
    обменник.

    А обменник находится в самом
    центре; они ещё пропускают набитый
    народом трамвай и лишь тогда идут
    бомбить
    свой
    обменник.

    А там им никто, оказывается, не рад,
    тем более когда они начинают забирать
    мешки с баблом.

    И вот ты идешь городом, солнечной стороной улицы,
    и у тебя все плохо – ни денег, ни работы, ни социальных перспектив,
    и тут вдруг из обменника выбегают
    молодчики в праздничных спортивных костюмах и бегут
    к бэхе, словно биатлонисты, оставившие далеко
    позади всех претендентов на оптовое бабло.

    Но что можно делать в Харькове, в 94-м году,
    с мешком бабла? Его можно сдать в оптовый обменник.
    Но там они уже всех перестреляли. Так что они
    выруливают из-под колес трамвая
    и мчат в никуда.

    Но через пару кварталов отсюда
    есть уютный кабак с кокаином,
    который называется «Элитный клуб «Карамболь».
    И они идут прямо туда и начинают расплачиваться
    баблом, на котором еще не высохла кровь инкассаторов.

    И что, и им приносят их ведро кокаина,
    и пока они склоняются над ним, как пехотинцы над
    пехотной миной, убоп по своим каналам пробивает их бэху
    и начинает штурмовать элитный клуб «Карамболь».

    И вот ты идёшь себе,
    глядя,
    как над
    трамвайными проводами
    поднимаются инкассаторские души, и всё, что тебе хочется –
    это просто нормально потрахаться, хоть раз, хоть раз в жизни,
    даже чёрт с ними, с социальными гарантиями,
    чёрт с ней, с работой,
    хоть раз, хоть абы с кем!
    И тут вдруг тебе к ногам
    начинают выбрасывать тела молодых биатлонистов,
    и у каждого из них на груди лейбл адидаса,
    как простреленное сердце, как будто эта команда биатлонистов
    попала под перекрестный огонь своего дубля.

    Невидимые и непостижимые,
    наши с тобой голоса поднимаются в космос.
    Сколько туманных, сладких намёков
    в наследство нам оставили духи любви.
    Лучше геройская смерть, чем холодная старость.
    Спи спокойно, товарищ по борьбе,
    я доношу твой найк,
    я верну долги,
    я буду пользоваться твоей трубой,
    отвечая на звонки,
    и когда позвонят твои родители,
    я скажу, что ты ненадолго вышел,
    но скоро вернёшься,
    и тогда они заплатят за всё.
    Перевод Игоря Белова

    Revolver und Rosen

    Im Frühherbst Anfang der Neunziger konnte man sterben,
    nur weil man Wörter benutzt hatte wie: Frühherbst, frühe Neunziger,
    die Chronik des Verbrechens, in der
    eine Transporterkarawane aus Germanija durch Polen rollt, gen Osten. Im Wagen
    ganz vorn sitzt der Chef der Wachleute, ein junger Pole
    mit Armeegewehr,
    schwarzer Lederjacke,
    russische Tarnung –
    er überführt seine zehn Autos
    durch die schläfrigen Masuren.

    Unklar, was sie da transportieren, auf wessen Rechnung sie die
    Zeit durchbrechen, die in diesem Teil ihrer Heimat aufgehört hat zu laufen, unklar,
    wieso er nicht schläft, wo doch alle Frauen aus den Berliner Pornozeitschriften
    für ihn singen, sie singen –

    schlaf, schlaf, Kommandeur, solange du schläfst,
    dauert deine Ruhe an,
    wenn du Sex hast, beginnen deine Schrammen im Dunkeln zu leuchten,
    wenn du Brot brichst, brechen die Himmel über den Seen,
    schlaf, schlaf, Kommandeur, jeder wird sterben, jeder wird geboren,
    alle wechseln an das andere Ufer der Freiheit, der Tod
    hat einen Vorzug – er entbindet dich von der Haftung für die Ware,
    schlaf, schlaf, Kommandeur, jede Frau wartet geduldig auf so eine Nacht
    und flüstert voll Angst – was hast du, schlaf, na schlaf doch, schlaf.

    Sieh mal, was für dunkles Blut er hat – sagte ein Ermittler zum anderen –
    das kommt von der Erschöpfung. Als ob er die letzten zehn Jahre nicht geschlafen hätte.
    Mmh,
    stimmte der zweite zu, oder schlecht geschlafen. Wahrscheinlich wurden sie
    aus nächster Nähe abgeknallt, sagte wieder
    der erste, – erst haben sie das vordere Auto mit Granaten beschmissen
    und dann den Rest erledigt, der Straßenabschnitt ist gesperrt, siehst du,
    hier haben sie gelauert, hätte ich auch so gemacht, sagte der erste, an ihrer Stelle.
    Irgendwann mach ich es auch.

    Und für ihn ist nun alles gelaufen –
    mit dem Blut auf dem Karabiner, gekauft in den Emiraten,
    mit den groben Stichen des chirurgischen Eingriffs.
    Nur die Schupos verneigen sich schweigend in ihren verstaubten Winterjacken,
    nur der Pathologe nickt voller Verständnis.

    Nur die Mutter weint irgendwo bei Wrocław
    um den Sohn, den die Kommunisten so zeitig fertig gemacht haben.
    Und die Kraniche über den Seen jagen Raummassen auseinander
    mit Muskeln, trainiert wie bei Radsportprofis.

    Und im Frühjahr, wenn sie, wie jedes Jahr, aus Palästina zurückkehren,
    umfliegen sie die schwarzen Orte, in denen der Geruch verbrannter Reifen hängt,
    sie umfliegen die Armeeeinheiten entlang dem Fluss,
    umfliegen alle Seen mit ihren kalten Tiefen.
    Umfliegen die Luftkorridore, in denen die Vergangenheit so gedrängt ist,
    dass die Zeit darin stehen bleibt wie das Herz eines Verstorbenen,
    und weil ich die Geografie kenne, die sie durchquert haben,
    die Ökonomie, die Politik,

    tue ich es ihnen gleich: Schlaf, schlaf, Schatz,
    unser Leben ist so lang, dass wir
    es noch schaffen, jene wieder zu treffen, die uns so früh verlassen haben,
    schlaf, allen Männern des Kontinents müsste man nacheinander
    den Kopf abhauen, damit du zuletzt diesen warmen Dezember überlebst;
    jeder wird sterben, jeder wird geboren,
    dir zu folgen ist wie die Orthografie befolgen,
    in dir zu kommen wie zu Ende kommen,
    so ist die Geschichte, so die Vergangenheit, gleich Kartoffelfeldern,
    mit denen dich nichts, aber auch gar nichts verbindet.

    Револьверы и розы

    В начале девяностых ранней осенью можно было умереть
    лишь от выговаривания этих слов – ранняя осень, ранние девяностые,
    старая криминальная хроника, в которой
    караван фур идёт из бундеса, через Польшу, на Восток. В главной
    машине сидит начальник охраны – молодой поляк
    с армейским карабином,
    в чёрной кожанке,
    в русском камуфляже –
    перегоняет свои десять машин
    через сонные мазурские озера.

    И неизвестно, что они там везут и за счёт чего прорываются
    через время, что прекратило идти в этой области их отчизны, и неизвестно,
    почему он не спит, если все женщины с берлинских порножурналов
    запели ему, запели –

    Спи, спи, командир, пока ты спишь,
    до тех пор продолжается твой покой,
    когда ты занимаешься сексом, шрамы твои светятся в темноте,
    когда ты преломляешь хлеб, ломаются небеса над озерами,
    спи, спи, командир, все умирают, все рождаются,
    все переходят на другой берег свободы, смерть
    даёт одно преимущество – она избавляет тебя от ответственности за товар,
    спи, спи, командир, такой ночи терпеливо ждет каждая женщина,
    шепча с опаской – ну что же ты, спи, давай, спи, спи.

    Смотри, какая у него тёмная кровь, – сказал один опер другому –
    это от усталости. Будто он не спал последние десять лет. Ага, –
    согласился тот, – или спал очень плохо. Похоже, их расстреливали в упор, – снова
    сказал первый, – сначала забросали гранатами головную машину,
    потом добили остальных, тут закрытый участок дороги, видишь,
    тут их ждали, я тоже бы сделал так, – сказал первый, – на их месте.
    Я когда-нибудь так и сделаю.

    И вот теперь для него уже всё остановится –
    кровью на карабине, купленном в эмиратах,
    грубыми нитками операционного кроя.
    и только оперы молча склонятся в запыленных бушлатах,
    и только патологоанатом с пониманьем кивнёт головою.

    И только мама заплачет где-то в районе Вроцлава
    о сыне, которого так рано завалили эти коммунисты,
    И журавли будут потоки воздуха разгонять над застывшим озером
    мышцами, тренированными как у профессиональных велосипедистов.

    И весною, когда, год за годом, из Палестины будут они возвращаться,
    будут облетать эти чёрные места, пахнущие палёными колёсами,
    будут облетать эти расположенные вдоль реки армейские части,
    облетать все озёра с холодными плёсами.

    Облетать эти воздушные коридоры, где так плотно минувшее,
    что время там замирает, как сердце в покойнике,
    и зная ту географию, которую они нарушили,
    ту политику и ту экономику,

    я повторяю следом за ними: спи, спи, любимая,
    наша жизнь так длинна, что мы
    снова успеем встретиться с теми, кто так рано от нас ушёл,
    спи, стоило всем мужчинам этого континента отрубать один
    другому головы, чтобы ты могла пережить такой тёплый декабрь,
    все умирают, все рождаются,
    держаться тебя, это словно держаться правописания,
    кончать в тебя, это словно кончать жить,
    вот такая история, такое прошлое, похожее картофельные поля,
    к которым ты совсем-совсем не имеешь отношения.

    Перевод Евгении Чуприной

    Jewtuschenko

    Wegen dieser ganzen Hektik
    unterlaufen einem jede Menge
    Pannen, wer hätte das gedacht.
    Morgens ruft ein Freund an,
    und sagt: Ich brauch dich, Alter,
    es muss schnellstens Material her.

    Und anstatt dir ein menschliches
    Aussehen zu verpassen,
    hast du jetzt
    deine Freunde vor den Widrigkeiten des Alltags
    zu beschützen.

    Was ist denn das?, fragte er. Das Material,
    sag ich, Nachruf auf Jewtuschenko,
    Ach, ist der schon?, fragte er.
    Ja, sag ich. Hab’s gestern im Café
    irgendwo gehört. Oder auf dem Bahnhof,
    wo wir dann noch versackt sind. Dort ist doch
    dieser Spätverkauf, weißt du.
    Weiß ich, antwortete er. Ach,
    verdammt. Und da hab ich doch erst dieser Tage
    einen Vortrag von ihm im Radio gehört. Über die Intellektuellen.
    Oder über Demokratie. Vielleicht doch
    über Demokratie, sagte ich
    nach kurzem Überlegen. Stimmt, sagte er,
    über Demokratie.

    Weißt du, sagte er nach kurzem Schweigen,
    manchmal denk ich, die Demokratie ist eigentlich
    ein riesiger Haufen Scheiße, diese ganze
    Demokratie, oder etwa nicht?
    Es war spät, wir standen
    auf dem Bahnhof, am Spätverkauf,
    und ich wusste nicht, wie ich ihm widersprechen sollte.

    Am nächsten Morgen rief er
    wieder an. Hör mal,
    rief er aufgebracht, dumm gelaufen,
    wie’s aussieht lebt er noch,
    gut, dass ich es gerade noch mal überprüft hab, sonst wären wir reingefallen
    mit deinem Material.
    Na, Gott sein Dank, sag ich, wer hätte
    das gedacht. Wieso „Gott sei Dank“?,
    schrie er los, wieso „Gott sei Dank“?!
    Wir hatten eine Lücke auf der Seite und haben
    zwei Kreuzworträtsel eingefügt. Wir sind aber
    keine Kreuzworträtselzeitung, hörst du:
    Wir
    sind keine
    Kreuzworträtselzeitung!!!

    Okay, sagte ich, als er sich
    beruhigt hatte, was ist, soll ich das
    Material wieder mitnehmen?
    Das Material?, überlegte er,
    nein, lass es ruhig da,
    wie lange wird der’s schon noch machen,
    und das Material ist gut
    geworden, kurz
    und vor allem
    ehrlich.

    Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

    Евтушенко

    Вот так за всей этой беготнёй
    сколько глупостей приходится
    делать, кто бы подумал.

    Утром звонит знакомый,
    говорит: брат, выручай,
    срочно нужен материал.
    Ну, и вместо того, чтобы вернуть
    себе человеческий вид,
    должен теперь
    защищать друзей от бытовых
    неурядиц.

    Что это? – спросил он. Материал, –
    говорю, – памяти Евтушенко.
    А что – уже? – спросил он.
    Да, говорю, – я вчера где-то
    в кафе услышал. Или на вокзале,
    когда догонялись. Знаешь, там есть
    круглосуточный?
    Знаю, – ответил он. – Эх,
    блядь: а я только на днях его выступление
    слушал по радио. Об интеллигенции.
    Или о демократии. Наверное, всё-таки
    о демократии, – подумав,
    сказал я. Да, – согласился он, –
    о демократии.

    Знаешь, – сказал он, помолчав –
    Я иногда думаю, что на самом деле демократия
    это большая куча говна, вся-вся
    демократия, согласись.

    Был поздний вечер, мы уже стояли
    на вокзале, под круглосуточным,
    и я не знал, чем ему возразить.

    Следующим утром он опять
    позвонил. Ну, вот что, –
    сказал взволнованно, – тут такая
    беда: он, оказывается, ещё живой,
    хорошо, что я утром проверил, попали бы
    мы с твоим материалом.
    Ну, слава богу, – говорю, – кто бы
    мог подумать. Что «слава богу»?, –
    раскричался знакомый, – что «слава богу»?!
    У нас дыра в полосе, пришлось
    давать два кроссворда. А мы не газета
    кроссвордов, понимаешь:
    мы
    не газета
    кроссвордов!!!

    Хорошо, – говорю, уже когда он
    успокоился, – так что: материал
    забрать?
    Материал? – задумался он, –
    нет – материал пусть остаётся у нас:
    сколько ещё там ему осталось,
    а материал вышел
    хороший, короткий,
    а главное –
    честный.

    Перевод Анастасии Афанасьевой

  2. Alexander Filyuta

    Dmitry Golynko / für die reinheit des experimentes

    von Alexander Filyuta, Freitag, 18. Februar 2011 um 23:07

    für die reinheit des experimentes

    1

    was man nicht alles macht für

    die reinheit des experimentes

    sich in den Hintern treten

    oder in einen persianer vergraben

    wenn das äußere krankhaft ist

    alle flöhe sind ausgerottet

    im aufgeworfenen haufen

    sucht man das Verlorene

    2

    qualifikationenerwerb macht

    einen arbeiter zu einem tüchtigen

    meister, den roten khmer

    zieht es in die geschichte

    ein vorbeifliegender bomber

    lässt etwas schweres fallen

    auf den druckbrand des dorfes

    sie ist grausam, verstehen sie

    3

    jetzt ist sie ganz flügge

    verabschiedete mit beissendem blick

    das ausgeworfene banner

    ist im winde gespreizt

    eine fettige banknote

    mit der visage des stammvaters

    des falschen freiheitsverständnis

    ist in die schmutzigen hände gedrückt

    4

    sie war noch rein

    als sie in die hände geriet

    männerzynismus

    kann süss und sanftmütig sein

    befriedigt genickt

    steuert dahin

    woraus die rückkehr selbst

    ein sprung über die grenze ist

    5

    schiss bekommen – und rausgeschossen

    man rufe einen knochenbrecher herbei

    ob es einem übel ist oder allen

    es gehört sich daumen zu drücken

    wer hätte gedacht, dass das erwachen

    sich als ein knalliges trouble erweist

    einen motoroller gesattelt

    dreht das gesindel runden

    6

    sie war noch nicht mal in der planung

    da beging man mit ihr, was sein musste

    nun ist sie ein kleiner dino

    auf so etwas steht strenge

    gebracht in doggystyle, gespuckt darauf

    gehört es sich dreckig zu gelten

    für die reinheit des experimentes

    wird die noblesse zunehmen

    7

    um gesetzlichkeit dort aufzubringen

    wo es danach nicht mal schimmert

    vollführt tyrann eine wohltat

    das proletariat bleibt unzufrieden

    geplünderte kuckucksneste

    liegen zerstreut durch die gegend

    ein blutsauger mit lieblichstem lächeln

    macht‘s angenehm für die menschen

    8

    bedeckt mit sommersprossen

    ist ein teil des gesichtes, so ist die blasse haut

    nicht sichtbar, gepflastert wird die hölle

    seit je her bekanntlich – womit

    eine unerträgliche hitze

    mit angefeuchtetem tüchlein

    erhebt sich, den schweiß abwischend,

    ein wenig über sich selbst

    9

    das pöbel rückte bis zur grenze

    drehte sich um aufgebraust

    und ging hinaus

    an die luft, der gartenzwerg

    verreckt, die brezel ist geknickt

    dazwischen, mulmig, den schieber

    in die horizontale lage gefahren

    erstarrt wie am halbort

    27 Januar – 6 Februar 2004

    Übersetzung: Alexander Filyuta 2010

    Das Original ist hier zu finden:

    http://dmitrygolynko.narod.ru/poetry_04.htm

  3. Alexander Filyuta

    Dmitry Golynko / voraussetzungen für

    von Alexander Filyuta, Freitag, 18. Februar 2011 um 22:59

    Dmitry Golynko

    voraussetzungen für

    1

    der erste geschleuderte stein

    fliegt vorbei, der zweite

    trifft, das ist eine voraussetzung für

    ein verzerrtes gesichtchen

    zeigt seinen hass einem machthaber

    pläsierchen für tierchen

    rosafarbene shorts

    herabgelassen unter die gürtellinie

    2

    während der erntezeit haut man dem nächsten

    auf die schnauze, das ist eine voraussetzung für

    das weitermachen, in einen schwamm

    verwandeltes gestern

    unterscheidet sich vom verquarkten morgen

    nur durch das nicken des abgeschraubten

    kopfes, der hochgefahrene schniepel

    ist dafür eine gewichtige bestätigung

    3

    move it, move it, don’t stop

    vorm anblick dieses cover-babes

    denn schönheit verbummeln

    oder erobern – ist einerlei, das schutzschild

    ist verschoben nach links

    vom benötigten, voraussetzungen für

    wie sand am meer, am tisch serviertes

    schimmert bereits vor frische

    4

    die barbiershände zucken

    das stoppelhaar ist weich, der schaum ist

    ein bioprodukt, die vorrichtung zum rasieren

    des bewuchses im mannesgesicht

    zählt die letzten tage des reinen profits,

    kleine härchen, herabgestossen ins knie

    sind eine voraussetzung fürs kratzen

    im hals des spülbeckens

    5

    das schnaufen der freundin wird unterbrochen

    durch abspritzende windstösse,

    lautstärkeregler ist auf maximum

    das ist eine voraussetzung für eine verdauungsstörung

    der luft, ein aufblähen

    der blickschärfe, ein aufgedunsener

    sakko am strecker

    das kalb zahlt in naturalien

    6

    vom standpunkt der berge sind abstieg

    sowie aufstieg ausgeglichen, ein verrückter

    wanderer tritt auf der stelle und wartet

    auf voraussetzungen für, ein marinekadett poliert

    die fresse, ein jotierter vokal fällt aus

    ein geschleuderter stein

    statt zu strecke zu bringen, festigt

    die prädestinierte ordnung

    7

    das trauungskleid reisst, das hochgehaltene

    glas geleert, das ist eine voraussetzung

    für aufteilung des sekundären

    ein gebranntes kind

    ist mit verbrennen seinesgleichen beschäftigt

    der abgefuckten sheeple, kein anlass zur

    panikmache, darum macht panik paranoide,

    er ist nicht besonders entspannt

    8

    die vorderansicht dieser stelle

    ist unappetitlich, wie getrocknete kotze

    wie die ankündigung der freundin,

    sie sei letzten sommer im süden

    gevögelt, dieses und jenes

    nichts zu verändern, dies sind voraussetzungen

    für weitere schritte, ausgeschlafen

    und wieder von vorne

    14 – 25 апреля 2004 года

    Übersetzt von Alexander Filyuta 2011

    Das Original ist hier zu finden:

    http://dmitrygolynko.narod.ru/poetry_04.htm

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