09.01.11 // Pudel auf Brühschlitten

Gute Gedichte / Schlechte Gedichte – die ewige Wiederkehr des Gleichen: Kehrt denn immer wieder das peinliche Schweigen? Endet nie des Irdischen Gestalt? Steffen Popp stellt gelungene und misslungene Gedichte vor.

Bringt gelungene und misslungene Gedichte/Texte/Filme mit!
Für einen Abend voller Schamesröten und Jubelpersereien.

Steffen Popp und Hendrik Jackson moderieren.

Sonntag, den 9. Januar 2011

Soupanova
Stargarder Straße 24
zwischen S- und U-Bahn Schönhauser Allee und S-Bahn Prenzlauer Allee
Ab 20 Uhr
Eintritt frei!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Parlandoparksonntag

Eine Antwort zu “09.01.11 // Pudel auf Brühschlitten

  1. Nachtrag zum Abend „Pudel auf Brühschlitten“
    von Steffen Popp

    Wie Adrijana schon schrieb, ging es an unserem Abend um gute und schlechte Gedichte, genauer, um Kriterien, die man anwendet, um zwischen gut und schlecht, gelungen und misslungen zu unterscheiden. Kriterien sind der Hauptteil des Genusses, steht irgendwo bei Brecht. Der „Genuss“ einer Wertung und Einordnung eines Gedichtes mithilfe solcher Kriterien liegt sicherlich in einem besseren, komplexeren Verstehen dessen, was dieser Text mit einem tut – vor allem aber ermöglicht ein solches Herangehen, von dem Gelingen und mehr noch von dem Misslingen eines Textes zu lernen. Lernen am Vergeigen anderer macht auf jeden Fall mehr Spaß als das Betrachten der eigenen Trümmer, welches zudem mit Affekten (Beulen, Pickel etc.) kontaminiert ist.

    Entscheidend für jede Kritik sind Begriffe, mit denen man arbeiten kann: Zuerst haben wir daher die Wertungen gut und schlecht durch die Werkstattbegriffe gelungen und misslungenen ersetzt, und versucht, eine grobe Definition dieses Begriffspaars zu geben: Ein Gedicht ist gelungen, wenn sich Anspruch und Umsetzung auf gleicher Höhe befinden. In diesem Sinn kann ein Schlagertext genauso gelungen sein wie ein Text von Thomas Kling – allein dieser Umstand macht deutlich, dass man für eine genauere Einsicht in das, was ein Gedicht jeweils leistet (oder eben nicht), zusätzliche Kriterien benötigt. Solche wären zum Beispiel Komplexität, Intensität, Beweglichkeit, Innovation – je nach Interesse lässt sich die Liste beliebig erweitern. Die genannten Kriterien (die wir an unserem Abend aufgrund von Zeitgründen und schlechter Vorbereitung nicht näher bestimmen konnten) scheinen mir jedoch ziemlich grundlegend, auf nahezu jeden Text anwendbar.

    Wir haben verschiedene unserer Ansicht nach besonders gelungene und misslungene Gedichte vorgelesen, ohne unsere Einschätzung und die Namen der Autoren zu erwähnen. Quellen waren unter anderem das Jahrbuch für Lyrik 2006 und der Deutsche Lyrikerkalender, die für ihre hohe Dichte ganz oder teilweise vergeigter Gedichte ebenso bekannt sind, wie für einige Perlen, die man doch immer wieder findet. Es war nicht eben leicht, in der Kürze der Zeit vom Podium aus die jeweils sehr verschieden gelagerten Gründe für das jeweilige Gelingen oder Misslingen der vorgetragenen Texte darzustellen; dass es dabei zu unterschiedlichen Ansichten sowohl bei den Vortragenden als auch bei den Zuhörern kommen würde, war vorauszusehen, gehörte insofern zum Kalkül der Aktion.

    Vor allem aber wollten wir Spaß haben – und eine längst fällige Revanche der von schlechten Gedichten und Dichtern drangsalierten Leserschaft einfordern, zu einer solchen ermutigen. Viel zu oft spricht man von der Empfindlichkeit der Poeten, viel zu selten vom Leid ihrer Leser. Kriterien, zu deren Erarbeitung und Diskussion der Abend beitragen wollte, holen Gedichte aus der Unangreifbarkeit, macht sie als Materialien verfügbar, aus denen man etwas für sich ziehen kann. Gerade Misslungenes ist wie schon gesagt lehrreich, weshalb es auch im Mittelpunkt der Überlegungen stand. Jeder verpeilte Text birgt zumindest die Hoffnung, dass andere aus seinem Scheitern lernen und zukünftig diese spezifische Art des Verpeilens in eigenen Texten – im eigenen Denken – erkennen.

    Der Katalog der Möglichkeiten poetischen Verpeilens ist logisch unabschließbar (dennoch, es reizte schon einen solchen aufzustellen, wenigstens eine Liste der häufigsten Katastrophen). Da das Scheitern auf ästhetischer Ebene oft auf konkrete Haltungsschäden zurückgeht (psychologischer, manchmal sogar physiologischer Art), wäre es nicht einfach ein Katalog der Borniertheit oder semantischen Unfähigkeit, sondern vermutlich der Katalog eines Großteils der Welt – ein unsägliches, völlig unbenutzbares Werk, das man schon aus Gründen des Anstands niemandem zumuten möchte. Dass wir es gerade deshalb irgendwann in Angriff nehmen werden, ist schon ausgemacht.

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